Vielfach in der Presse berichtet wurde über die Vermutung, dass das schlechte Wetter bei der Schlacht von Waterloo im Juni 1815, die die europäische Geschichte entscheidend beeinflusste, mit dem Ausbruch des Tambora in Indoniesien nur wenige Monate zuvor zu tun hatte. Nicht in der Presse berichtet wurden über die anderen Arbeiten in diesem Monatsrückblick, deren Themen für die Weltgeschichte jedoch kaum weniger wichtig waren: Eine Zusammenfassung möglicher Klimafaktoren in der Geschichte der Awaren sowie ein Sonderband der Fachzeitschrift Climate of the Past über die Dürreperioden vor 4200 Jahren, die viele antike Kulturen in Bedrängnis brachten. Viel Spaß beim Lesen!

Einfluss des Tambora auf die Schlacht von Waterloo?

Große Vulkanausbrüche führen zur weltweiten Abkühlung, jedoch erst nach mehreren Monaten bis wenigen Jahren, weil sich die Sulfataerosole nur langsam verteilen. Matthew Genge schlägt nun einen schnelleren Mechanismus vor. Große Mengen von Staubpartikeln würden durch die Eruption elektrostatisch aufgeladen und innerhalb von Stunden bis in 100 km Höhe, in die Ionosphäre, gehoben werden. Da globale elektrische Ströme in der Ionosphäre die Wolkenbildung beeinflussen, würde sich dadurch auch kurzfristig die Wolkenbedeckung weltweit ändern. So zeigen europäische Wetterdaten schon Tage nach dem Krakatau-Ausbruch (1883) eine Abkühlung. Für den Ausbruch des Tambora im April 1815 existieren keine ähnlich genauen Wetterdaten, doch Mai und Juni waren in Europa recht regenreich. Nur in einem Satz weist Genge darauf hin, dass "Historiker das feuchte Wetter in Europa von Historikern als beitragenden Faktor zur Niederlage von Napoleon Bonaparte in der Schlacht von Waterloo" (18. Juni 1815) sehen - in der Presse wurde diese Bemerkung der wichtigste Aufhänger, wobei aber auch auf andere, etwa militärhistorische Faktoren, verwiesen wird.

Klimafaktoren in der Geschichte der Awaren

Im Jahr 552 n.Chr. endete das Khaganat der Rouran, einer Föderation nomadischer Stämme in Zentral- und Ostasien. Daraufhin kam es zu Wanderung ins Karpathenbecken von Gruppen, die in byzantinischen Quellen als Awaren identifiziert werden. Seit einiger Zeit wird die Rolle einer kühlen Periode diskutiert, die nach Vulkanausbrüchen um 536 dokumentiert ist. Johannes Preiser-Kapeller diskutiert nun Klimadaten aus dem Karpathenbecken (dem Hauptgebiet der Awaren) und ihre möglichen Auswirkungen.

  • Preiser-Kapeller, Johannes. „The Climate of the Khagan - Observations on Palaeoenvironmental Factors in the History of the Avars (6th-9th century)“. In Lebenswelten zwischen Archäologie und Geschichte: Festschrift für Falko Daim zu seinem 65. Geburtstag. Band 2: Teil 2 - [vom lateinischen Mittelalter bis in die Gegenwart], herausgegeben von Jörg Drauschke, Ewald Kislinger, Karin Kühtreiber, Thomas Kühtreiber, Gabriele Scharrer-Liška, und Tivadar Vida. Römisch Germanisches Zentralmuseum / Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, 150,1. Regensburg: Schnell & Steiner, 2018.

Das 4,2-Kilojahr-Ereignis: Sonderausgabe von "Climate of the Past"

Die Fachzeitschrift Climate of the Past hat eine Sonderausgabe über die Klimaschwankungen vor etwa 4200-3900 Jahren veröffentlicht, die Auswirkungen auf viele antike Kulturen vom Nahen Osten bis nach China hatten. Die Artikel behandeln ausschließlich neue paläoklimatische Rekonstruktionen, während die archäologische Forschung nur am Rande erwähnt wird. Im Wesentlichen bestätigen sie eine insgesamt trockene Phase mit Dürren vom Mittelmeerraum bis nach China; sie geben aber auch einen detaillierteren Aufschluss über den zeitlichen Verlauf und regionale Ausprägungen. Ein Artikel (Toth und Aronson) zeigt zudem, dass das Wachstum von Korallenriffen im tropischen Ostpazifik vor 4200 Jahren für etwa 2500 Jahre fast völlig zum Erliegen kam. Die Artikel beruhen auf einem Workshop an der Universität Pisa im Januar 2018.

  • Rousseau, D.D., Giovanni Zanchetta, H. Weiss, M. Bini, und Raymond S. Bradley, Hrsg. „Special Issue: The 4.2 ka BP climatic event“. Climate of the Past, 6. Februar 2018. https://www.clim-past.net/special_issue958.html.
  • Cartier, R., F. Sylvestre, C. Paillès, C. Sonzogni, M. Couapel, A. Alexandre, J.-C. Mazur, E. Brisset, C. Miramont, und F. Guiter. „Diatom-oxygen isotopic record from high-altitude Petit Lake (2200 m a.s.l) in the Mediterranean Alps: shedding light on a climatic pulse“. Clim. Past Discuss. 2018 (3. September 2018): 1–21. https://doi.org/10.5194/cp-2018-103.
  • Giesche, Alena, Michael Staubwasser, Cameron A. Petrie, und David A. Hodell. „Re-Examining the 4.2 Ka BP Event in Foraminifer Isotope Records from the Indus River Delta in the Arabian Sea“. Climate of the Past Discussions, 3. September 2018, 1–31. https://doi.org/10.5194/cp-2018-104.
  • Kaniewski, D., N. Marriner, R. Cheddadi, J. Guiot, und E. Van Campo. „The 4.2 ka BP event in the Levant“. Clim. Past Discuss. 2018 (17. Juli 2018): 1–29. https://doi.org/10.5194/cp-2018-82.
  • Kathayat, G., H. Cheng, A. Sinha, M. Berkelhammer, H. Zhang, P. Duan, H. Li, X. Li, Y. Ning, und R. L. Edwards. „Timing and Structure of the 4.2 ka BP Event in the Indian Summer Monsoon Domain from an Annually-Resolved Speleothem Record from Northeast India“. Clim. Past Discuss. 2018 (16. August 2018): 1–17. https://doi.org/10.5194/cp-2018-92.
  • Li, H., H. Cheng, A. Sinha, G. Kathayat, C. Spötl, A. A. André, A. Meunier, u. a. „Speleothem Evidence for Megadroughts in the SW Indian Ocean during the Late Holocene“. Clim. Past Discuss. 2018 (27. August 2018): 1–23. https://doi.org/10.5194/cp-2018-100.
  • Toth, L. T., und R. B. Aronson. „The 4.2-ka event, ENSO, and coral-reef development“. Clim. Past Discuss. 2018 (31. August 2018): 1–26. https://doi.org/10.5194/cp-2018-94.
  • Xiao, J., S. Zhang, J. Fan, R. Wen, D. Zhai, Z. Tian, und D. Jiang. „The 4.2 ka event: multi-proxy records from a closed lake in the northern margin of the East Asian summer monsoon“. Clim. Past Discuss. 2018 (18. Juni 2018): 1–25. https://doi.org/10.5194/cp-2018-66.
  • Zhang, H., H. Cheng, Y. Cai, C. Spötl, G. Kathayat, A. Sinha, R. L. Edwards, und L. Tan. „Hydroclimatic variations in southeastern China during the 4.2 ka event reflected by stalagmite records“. Clim. Past Discuss. 2018 (30. August 2018): 1–24. https://doi.org/10.5194/cp-2018-116.
  • Zielhofer, C., A. Köhler, S. Mischke, A. Benkaddour, A. Mikdad, und W. J. Fletcher. „Western Mediterranean hydro-climatic consequences of Holocene iceberg advances (Bond events)“. Clim. Past Discuss. 2018 (10. August 2018): 1–20. https://doi.org/10.5194/cp-2018-97.

Hinweis

Bitte beachten: In diesem Rundblick geht es vor allem um die schnelle Information. Daher sind einige Zusammenfassung recht technisch und erklären nicht alles in verständlicher Form, und teils habe ich noch nicht alle Artikel im Detail durchgearbeitet. Fehler und Unklarheiten bitte ich daher zu entschuldigen und freue mich über entsprechende Hinweise und Kommentare.