In diesem Jahr (2018) machten Hitzewellen und Dürren weltweit von sich reden. Auch wenn einzelne Ereignisse aufgrund der Komplexität des Klimasystems niemals eine eindeutige Ursache haben, hat doch der durch den Treibhausanstieg verursachte globale Klimawandel die Wahrscheinlichkeit solcher Extremereignisse deutlich erhöht; das uns heute extrem erscheinende Jahr 2018 dürfte bald als Normalfall gelten. In diesem Monatsrückblick schauen wir jedoch auf zwei Trockenperioden in der Vergangenheit: Das Jahr 1540, das in Europa mit dem Hitzejahr 2003 vergleichbar ist, und die Dürren am Ende der Mayazeit. Zudem stellen wir eine interessante Arbeit zum Rückgang der Pferde nach der Eiszeit vor. Viel Spaß beim Lesen!

Hitzewelle und Dürre in Europa 1540

Eine neue Temperaturrekonstruktion zeigt, dass das Jahr 1540 in Europa trockener und wohl auch heißer war als die europäische Hitzewelle von 2003. Die Autoren werteten über 300 zeitgenössischen Berichte über das Wetter aus ganz Europa aus und berechneten die jeweilige Anzahl der Regentage, woraus sich die Gesamtniederschlagsmenge abschätzen lässt. Demnach waren große Teile Europas 11 Monate lang von einer extremen Dürre betroffen; teils fiel monatelang gar kein Regen. Auch Wasserstandsberichte bestätigen das Bild. So war die Insel Lindau im Bodensee trockenen Fußes zu erreichen. Mit Klimamodelle gelang es den Autoren nicht, diese Extremverhältnisse zu rekonstruieren. Dies deutet darauf hin, dass heutige Modelle das Auftreten von Extremen unterschätzen könnten.

Niederschläge am Ende der Maya-Zeit bis zu 70% niedriger

Eine Abnahme der Niederschläge gilt seit längerem als einer der Faktoren, die um 800-1000 n.Chr. zum Niedergang der auf Regenfeldbau basierenden Maya-Kultur beitrug. Nun konnte das tatsächliche Ausmaß dieser Trockenperiode mithilfe von Isotopenanalysen an Wasser, das in Gipsablagerungen gebunden ist, rekonstruiert werden. Demnach war der Jahresniederschlag um 41% bis 54% niedriger als heute und zu den trockensten Zeiten sogar um 70%.

Wildpferde nach der Eiszeit: Kollaps durch Habitatverlust

Die Wildpferdpopulation in Eurasien kollabierte zu Beginn des Holozäns vor etwa 12.000 Jahren und überlebte bis zur Domestizierung durch den Menschen nur in isolierten, fragmentiereten Beständen; in Nordamerika starb das Pferd ganz aus. Eine neue eurasienweite Rekonstruktion kombiniert nun über 3000 Pferdefunde und Häufigkeitsdaten aus über 1000 archäologischen Schichten mit Klimadaten. Demnach ging der Rückgang der Pferdepopulation auf eine stärkere Fragmentierung und generell den Verlust von offenen Grasland zurück. Pferde belegten in der Eiszeit in Europa und in Asien unterschiedliche ökologische Nischen, wobei die europäischen Pferde in einem breiteren Spektrum an klimatischen Bedingungen lebten; die Anpassung an gemäßigtere Klimaverhältnisse fand daher wohl in Europa statt. Sowohl die Iberische Halbinsel als auch Zentralasien kommen als Zentren der Domestizierung in Frage.

  • Leonardi, Michela, Francesco Boschin, Konstantinos Giampoudakis, Robert M. Beyer, Mario Krapp, Robin Bendrey, Robert Sommer, u. a. „Late Quaternary Horses in Eurasia in the Face of Climate and Vegetation Change“. Science Advances 4, Nr. 7 (1. Juli 2018): eaar5589. https://doi.org/10.1126/sciadv.aar5589.

Hinweis

Bitte beachten: In diesem Rundblick geht es vor allem um die schnelle Information. Daher sind einige Zusammenfassung recht technisch und erklären nicht alles in verständlicher Form, und teils habe ich noch nicht alle Artikel im Detail durchgearbeitet. Fehler und Unklarheiten bitte ich daher zu entschuldigen und freue mich über entsprechende Hinweise und Kommentare.