Dies ist ein kurzer Überblick über einige aktuelle Forschungsergebnisse der letzten Monate. Darunter findet sich Neues zum Ausbruch des Tambora im Jahr 1815, der Wanderung der frühen Menschen aus Afrika, die Ernährung von Neandertalern in Kältezeiten, dem Kollaps von Gesellschaften in der Jungsteinzeit sowie Dürrezeiten in Böhmen der letzten 5 Jahrhunderte. Viel Spaß beim Lesen!

Der Ausbruch des Tambora im Jahr 1815

Nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora (Indonesien) im April 1815 war das folgende Jahr 1816 in Europa ein "Jahr ohne Sommer" mit kalter, feuchter Witterung. Eine neue atmosphärische Reanalyse untersucht die Verbindung. Trotz des damals noch dünnen Netzwerks von Wetterstationen ist es möglich, das tägliche Wetter in Europa zu rekonstruieren und den Einfluss des Vulkans zu erkennen.

  • Brohan, Philip, Gilbert P. Compo, Stefan Brönnimann, Robert J. Allan, Renate Auchmann, Yuri Brugnara, Prashant D. Sardeshmukh, und Jeffrey S. Whitaker. „The 1816 ‘Year without a Summer’ in an Atmospheric Reanalysis“. Climate of the Past Discussions, 12. Juli 2016, 1–11. doi:10.5194/cp-2016-78.

Siehe hierzu auch den Hintergrundartikel:

Die Migration der Menschen "Out of Africa" und das Klima

Um die genaue Datierung der Auswanderung der anatomisch modernen Menschen aus Afrika einzugrenzen, haben Timmermann und Friedrich mit einem Klima-Vegetationsmodell die möglichen Wanderungswege der letzten 200.000 Jahre analysiert. Klimaänderungen der Vergangenheit, angetrieben von Bahnschwankungen der Erde, haben die Ausdehnung und Lage der Wüsten der Sahara und Arabiens verändert, sodass sich Wanderungskorridore öffneten und wieder schlossen. Demnach war die Ausbreitung des anatomisch modernen Menschen in vier Phasen möglich: vor 130.000-118.000 Jahren, vor 106.000-94.00 Jahren, vor 89.000-73.000 Jahren sowie vor 59.000-47.000 Jahren. Das damit gekoppelte Populationsmodell der Autoren zeigt Wanderungen in den letzten drei dieser Phasen. Allerdings zeigen diese Modellrechnungen zunächst einmal nur Möglichkeiten und beweisen nicht, dass diese Wanderungen tatsächlich stattgefunden haben, und die Details stimmen nicht überall mit den archäologischen Belegen überein.

Neandertaler änderten in Kältezeiten ihre Ernährung

Tierknochen an zwei französischen Neandertalerfundstellen zeigen in kälteren Klimaphasen mehr Schnitt- und Schlagspuren. Dies deutet darauf hin, dass die Neandertaler in Kaltzeiten auch das schwer zugängliche Knochenmark stärker nutzten, also wohl Nahrungsmangel litten.

  • Hodgkins, Jamie, Curtis W. Marean, Alain Turq, Dennis Sandgathe, Shannon J. P. McPherron, und Harold Dibble. „Climate-mediated shifts in Neandertal subsistence behaviors at Pech de l’Azé IV and Roc de Marsal (Dordogne Valley, France)“. Journal of Human Evolution 96 (Juli 2016): 1–18. doi:10.1016/j.jhevol.2016.03.009.

Vorzeichen des Kollapses von Kulturen der Jungsteinzeit

Eine statistische Analyse von Rekonstruktionen der Bevölkerungsdichte der europäischen Jungsteinzeit (vor etwa 8000-4000 Jahren), zeigt, dass dem Zusammenbruch von Gesellschaften in 7 von 9 Fällen typische Merkmale ("Early Warning Signs" oder "EWS") vorausgehen, etwa stärkere Schwankungen der Bevölkerungszahl und eine immer langsamere Erholung nach Krisenzeiten.

  • Downey, Sean S., W. Randall Haas, und Stephen J. Shennan. „European Neolithic Societies Showed Early Warning Signals of Population Collapse“. Proceedings of the National Academy of Sciences 113, Nr. 35 (30. August 2016): 9751–56. doi:10.1073/pnas.1602504113.
  • Scheffer, Marten. „Anticipating Societal Collapse: Hints from the Stone Age“. Proceedings of the National Academy of Sciences 113, Nr. 39 (27. September 2016): 10733–35. doi:10.1073/pnas.1612728113.

Dürren in Böhmen 1499-2012 aus Traubenernten rekonstruiert

Eine wärmere, trockene Witterung lässt Trauben früher reifen. Aus historischen Aufzeichnungen des Datums der Weinernte in den böhmischen Weinbaugebieten konnten Možný und Kollegen daher einen Dürreindex für die letzten fünf Jahrhunderte rekonstruieren.

  • Možný, M, R Brázdil, P Dobrovolný, M Trnka, V Potopová, P Hlavinka, L Bartošová, P Zahradníček, P Štépánek, und Z Žalud. „Drought Reconstruction Based on Grape Harvest Dates for the Czech Lands, 1499-2012“. Climate Research 70, Nr. 2 (27. Oktober 2016): 119–32. doi:10.3354/cr01423.

Maya: Diktatoren in der Gartenstadt

Urs Willmann schreibt in der Zeit über die Maya-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz.

Boreale Waldbrände der Vergangenheit

Legrand und Kollegen geben eine Übersicht über die Methoden und Datenquellen zur Rekonstruktion von Waldbränden in Kanada, und diskutieren unseren Kenntnisstand zur Brandhäufigkeit im letzten Jahrtausen, den letzten 2000 Jahren sowie in der Jüngeren Dryas.

  • Legrand, Michel, Joseph McConnell, Hubertus Fischer, Eric W. Wolff, Susanne Preunkert, Monica Arienzo, Nathan Chellman, u. a. „Boreal fire records in Northern Hemisphere ice cores: a review“. Clim. Past 12, Nr. 10 (28. Oktober 2016): 2033–59. doi:10.5194/cp-12-2033-2016.

40 Jahre Bestätigung der Milanković-Theorie der Eiszeiten

Mark Maslin schreibt über den einflussreichen Artikel von Hays, Imbrie und Schackleton, die vor 40 Jahren, 1976, bestätigende Argumente für die Theorien des serbischen Mathematikers Milutin Milanković von 1941 lieferten. Demnach können selbst die kleinen, regelmäßigen Bahnschwankungen der Erde große Eiszeiten auslösen.

  • Maslin, Mark. „In Retrospect: Forty Years of Linking Orbits to Ice Ages“. Nature 540, Nr. 7632 (8. Dezember 2016): 208–10. doi:10.1038/540208a.
  • Hays, J. D., John Imbrie, und N. J. Shackleton. „Variations in the Earth’s Orbit: Pacemaker of the Ice Ages“. Science 194, Nr. 4270 (10. Dezember 1976): 1121–32. doi:10.1126/science.194.4270.1121.

Hinweis

Bitte beachten: Ich habe noch nicht alle diese Artikel sorgfältig gelesen, es geht mir hier vor allem um die schnelle Information. Fehler und Unklarheiten bitte ich daher zu entschuldigen und freue mich über entsprechende Hinweise und Kommentare.


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