Panorama

Das Panorama dient dem kurzen Überblick über neu erschienene Publikationen.

Der italienische Dichter Dante Alighieri erlebte in den letzten Jahren seines Lebens das extrem feuchte, kalte Jahr 1310, das wohl die Inspiration zum dritten Kreis der Hölle in seiner Göttlichen Komödie war. Diese "Dante-Anomalie" war offenbar ein Zeichen einer Klimaschaukel, die den Übergang zwischen dem Klimaoptimum des Mittelalters und der Kleinen Eiszeit prägte. Eine weitere Arbeit zeigt, dass die Meeresoberflächentemperaturen im westlichen Mittelmeer zur Römerzeit am höchsten waren. Nicht geglückt ist dagegen ein Versuch, die Körpermaße der berühmten übergewichtigen Frauenfigurinen der Eiszeit mit dem Klima zu korrelieren - zwar ein interessanter Ansatz, aber die Arbeit wirft zu viele erhebliche methodische Fragen auf. Abschließend haben wir noch eine Arbeit, die nur indirekt mit dem Klima zu tun hat, aber als Hintergrundinfo interessant ist: eine detaillierte Übersicht über historische Sonnenfleckenbeobachtungen. Viel Spaß beim Lesen!

Zwei interessante Arbeiten beleuchten die Rolle von Vulkanen auf die erste Hälfte des 19. Jh., der letzten Phase der Kleinen Eiszeit, in der das Klima nach einer etwas wärmeren Zeit um 1800 nochmals deutlich abkühlte. Der Ausbruch des Tambora (Indonesien) im April 1815 war ja als Faktor bereits bekannt (siehe auch 1816 - das Jahr ohne Sommer: Nachlese des Vortrags vom 15. Oktober), doch eine neue Attributionsstudie (eine Studie, die die zugrundeliegende Faktoren für Klimaereignisse klärt) zeigt nun, dass der Vulkan eindeutig für das kalte Wetter in Europa im "Jahr ohne Sommer" (1816) verantwortlich war. Doch auch mehrere weitere größere tropische Vulkanausbrüche waren für Endphase der Kleinen Eiszeit bestimmend. Viel Spaß beim Lesen!

Weitere Forschungen zeigen, dass der Toba-Ausbruch vor 74 000 Jahren die Menschheit wohl doch nicht katastrophal reduzierte. Eine Katastrophe war dagegen für die Bewohner Amerikas der Kontakt mit Europäern im 16. Jh., der praktisch zur Entvölkerung des Kontinents führte - mit deutlichen Folgen für das damailige Weltklima aufgrund der Landnutzungsänderungen. In der neolithischen Siedlung Çatalhöyük lassen sich die Folgen des weltweiten Klimaereignisses vor 8200 Jahren nachweisen. Ein physikalischer Hintergrundartikel schließt den diesmaligen Monatsrundblick ab: Wieso zeigt uns eigentlich die Physik, dass die derzeitige Erwärmung auf Treibhausgase und nicht auf die Sonne zurückgeht? Viel Spaß beim Lesen!

Nach längerer Pause bin ich endlich dazu gekommen, einige neue Forschungen der letzten Zeit durchzusehen. Diesmal gibt es neue Erkenntnisse zur spätantiken Klimakrise ab 536 n.Chr., zur Gesundheit der Europäer der letzten 2000 Jahren, zur Interpretation von Umweltverschmutzungen historischer Metallverarbeitung und weitere Erkenntnisse zu dem mysteriösen, umstrittenen Kometen- oder Asteroideneinschlag vor 12 800 Jahren. Viel Spaß beim Lesen!

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Jahr mit der richtigen Mischung aus interessanten neuen Erkenntnissen und ruhigen Zeiten für Freunde, Familie und für sich selbst. Ein paar interessante Erkenntnisse hoffe ich auch in Zukunft in diesem Literaturrundblick beitragen zu können. Wir beginnen 2019 mit einer Kontroverse um das Ende der Römerzeit, über den unterschiedlichen Umgang der Menschen Südostasiens mit dem Holozänen Klimaoptimum, der Entwicklung von Nadeln als essenzielles Hilfsmittel der eiszeitlichen Menschen, sich zu kleiden und damit klimatisch ungünstige Lebensräume zu besiedeln, sowie einen Denkanstoß zur Zukunft der Umweltgeschichte (oder historischen Ökologie?) in Nordafrika. Viel Spaß beim Lesen!

Isotopenanalysen und andere geochemische Studien dominieren diesen Monatsrückblick. Neues gibt es zum Aussterben der Neandertaler, und vielleicht wurde nun der mysteriöse, höchst umstrittene Meteorit der Jüngeren Dryas gefunden. Eisbohrkerne werfen auch weiteres Licht auf die Klimakrise nach 536 n.Chr. sowie das Abschmelzen der Alpengletscher am Ende der Kleinen Eiszeit. Viel Spaß beim Lesen!

Dürren sind eine der Witterungserscheinungen, die besonders in agrarischen Gesellschaften eine enorme Rolle spielten. Was wissen wir aus historischen Quellen über Dürren der Vergangenheit? Der diesmalige Monatsrückblick beruht auf einem Sonderband der Fachzeitschrift Climate of the Past zu diesem Themenkomplex. Viel Spaß beim Lesen!

Vielfach in der Presse berichtet wurde über die Vermutung, dass das schlechte Wetter bei der Schlacht von Waterloo im Juni 1815, die die europäische Geschichte entscheidend beeinflusste, mit dem Ausbruch des Tambora in Indoniesien nur wenige Monate zuvor zu tun hatte. Nicht in der Presse berichtet wurden über die anderen Arbeiten in diesem Monatsrückblick, deren Themen für die Weltgeschichte jedoch kaum weniger wichtig waren: Eine Zusammenfassung möglicher Klimafaktoren in der Geschichte der Awaren sowie ein Sonderband der Fachzeitschrift Climate of the Past über die Dürreperioden vor 4200 Jahren, die viele antike Kulturen in Bedrängnis brachten. Viel Spaß beim Lesen!

In diesem Jahr (2018) machten Hitzewellen und Dürren weltweit von sich reden. Auch wenn einzelne Ereignisse aufgrund der Komplexität des Klimasystems niemals eine eindeutige Ursache haben, hat doch der durch den Treibhausanstieg verursachte globale Klimawandel die Wahrscheinlichkeit solcher Extremereignisse deutlich erhöht; das uns heute extrem erscheinende Jahr 2018 dürfte bald als Normalfall gelten. In diesem Monatsrückblick schauen wir jedoch auf zwei Trockenperioden in der Vergangenheit: Das Jahr 1540, das in Europa mit dem Hitzejahr 2003 vergleichbar ist, und die Dürren am Ende der Mayazeit. Zudem stellen wir eine interessante Arbeit zum Rückgang der Pferde nach der Eiszeit vor. Viel Spaß beim Lesen!

Etwas ganz Spannendes gibt es diesmal: Zwei verschiedene Studien bezweifeln, dass die Menschheit vor 74 000 Jahren nach dem Ausbruch des Supervulkans Toba beinahe ausgestorben wäre. Zweifel gibt es auch daran, dass die zentralafrikanische Regenwaldkrise vor 2600 Jahren (siehe Panorama 6/2018) von Menschen verursacht wurde. Keine Zweifel gibt es dagegen daran, dass sich die antike Metallverarbeitung durch Bleispuren in der Umwelt nachweisen lässt. Viel Spaß beim Lesen!